Archiv für Zeitraum: Februar, 2010

Berlin – Nacht zum 21.02.2010

Sonntag, Februar 21st, 2010

Immer wieder wollte ich mal über meine Beobachtungen berichten, über all das Erlebte, was mir in Richtung Gehirn als Erinnerung geschrieben wird – jedoch nur kurzzeitig, ich würde es bald wieder vergessen. In Berlin zu leben hat schon so seine Vor- und Nachteile. Beides sind die Erlebnisse, welchen man teil hat, wenn man mit den öffentlichen Verkehrsmittel, der S-Bahn und der BVG, unterwegs ist.
Heute zum Beispiel ging der ganze Spaß im südlichen Reinickendorf los, als mich der Nachtbus von einer kleinen Party zum Leopoldplatz fahren wollte. Das erste mal sehe ich große Flachbildschirme im Bus hängen, welche in großer Schrift schwarz auf weiß das Fahrziel, die Uhrzeit, die Linienbezeichnung und den nächsten Halt angezeigt haben. Wäre ich nicht zu faul gewesen, hätte ich ein Bild davon gemacht – aber ich war zu faul.
Der größte Spaß beginnt aber jedoch erst dann, wenn man in einer U-Bahn sitzt. Kurzzug – 4 Wagen. Ich suche mir den zweiten von vorn aus. Es sitzen 2 Fahrgäste und 2 “Securitys” im Zug. Die Securitys sitzen. Sie machen den Anschein, als würden sie vor jedem 12-jährigen Knirps, der sie bedroht, den Rückzug machen. Er, schätzungsweise 60 – Sie, schätzungsweise 45 Jahre alt. Okay, die einzige Funktion dieser Sicherheitsfahrbegleiter ist es, Hilfe anzufordern, sollte es ernst werden. Aber ein Sicherheitsgefühl, mitten in der Nacht in einer nicht Kameraüberwachten U-Bahn, geben sie nicht.
Noch im U-Bahnhof Leopoldplatz steigt ein fast glatzköpfiger Mann ein. Groß, um die 30, das halbe Gesicht überfüllt mit Kratzern und Schrammen, als wäre er von einem PKW bei 60 km/h hinter dem Auto hinterhergeschleift worden. Also das halbe Gesicht, damit mein ich wirklich halbseitig. Er schaut die “Securitys” fragend an, und nuschelt irgendwas, was man als “Wie komm ickn zur Ringbahn?!?” wahrnehen konnte. Die Securitys sagen ihm “Tempelhof!”. Ich sag ihm “Wedding!”. Naja, ist schon ein Unterschied, 20 Stationen zu fahren, oder nur eine. Nicht nur, dass die Securitys nicht die Bohne sicherheitssichernd wirken – sie wissen natürlich auch nichts über das Liniennetz. Letztendlich steigt er eine Station weiter, in Wedding aus. Mit einem Handsignal gebe ich ihm nach aussen zu Verstehen, dass er in die falsche Richtung läuft. Er hats kapiert.

Wieso schreib ich das? In den letzten Monaten beobachte ich mit großer Aufmerksamkeit, was so passiert in der Stadt. Es gibt immer so vieles, über das ich gerne berichten würde, nur habe ich bisher immer es unterlassen, darüber auch zu berichten. Kuriositäten, erzählenswertes und wirklich auch traurige Sachen kommen einem immer wieder zu Gesicht, wenn man regelmäßig in der Stadt unterwegs ist. Es lohnt sich. Heute war es nicht ganz so spannend, jedoch hat es für mich persönlich doch einen gewissen Unterhaltungsfaktor gesorgt. Für mich. Werde weiter berichten, wenn spannenderes passiert.